Engagement auf dem Alten Jüdischen Friedhof

Seit Beginn der 2000er Jahre verstärkt sich das wissenschaftliche Interesse am Alten Jüdischen Friedhof in Worms. Dieser wurde im 11. Jahrhundert angelegt (der älteste Grabstein datiert von 1058) und bis 1911, bei Familiengräbern bis 1938, belegt.

Das Landesamt für Denkmalpflege kartierte den älteren Teil. Der Judaist Prof. Dr. Michael Brocke vom Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen begann als bester Kenner hebräischer Texte auf Grabsteinen mit dem Erfassen aller Steine auf dem unteren, tiefer gelegenen Teil. Dort befinden sich alle mittelalterlichen und zahlreiche frühneuzeitliche Steine bis zum 18. Jahrhundert.

Der Jüdische Friedhof im Herbst 2015; Quelle: Daniel Nagel

Der Altertumsverein und der Verein Warmaisa begannen mit regelmäßigen Reinigungen unter Aufsicht der Unteren Denkmalpflegebehörde. Darüber hinaus beauftragten und finanzierten beide Vereine fachgerechte Sanierungen wichtiger Steine. Das notwendige Geld warb der Altertumsverein bei Sponsoren ein, zu denen Firmen, Banken, Stiftungen und viele Vereinsmitglieder zählen.

Der Altertumsverein ließ eine Informationstafel am Eingang aufstellen und sammelte Mittel für die Wiederaufstellung zahlreicher umgestürzter Steine. Zudem stellte der Altertumsverein den Großteil der Geldmittel für eine Datenbank der Grabsteine des Jüdischen Friedhofs bereit. Die restliche Finanzierung übernahm die Stadt Worms.

Die Datenbank, die den hebräischen Text, die deutsche Übersetzung, einen Kommentar und ein Foto jedes Steines enthält ist unter dieser Adresse online zugänglich. Der Altertumsverein finanziert zudem ein Buch von Prof. Brocke über die mittelalterlichen Grabsteine des Friedhofs, dessen Veröffentlichung in der nächsten Zeit ansteht.

Für das jüdische Kalenderjahr 2015/2016 (September 2015 bis Dezember 2016), ließ der Altertumsverein ferner einen viel beachteten und ausverkauften Kalender mit Motiven des Jüdischen Friedhofs herstellen. Dr. Ferdinand Werner und Claus Reisinger fotografierten die Grabsteine, das Steinheim-Institut erstellte die inhaltlichen Beschreibungen. Die 16 Kalenderblätter zeigen Gesamtübersichten, Steine der bedeutendsten Gelehrten und Steine mit den auffälligsten Ornamenten.