Während heute noch zahlreiche Zeugnisse an die Bedeutung der Stadt Worms im Mittelalter erinnern, sind die meisten Überreste der einst so bedeutenden Lederindustrie mit wenigen Ausnahmen aus dem Stadtbild verschwunden. Dabei wurde die Stadt zwischen 1834 bis 1974 entscheidend durch die Lederindustrie geprägt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte Worms seine ehemalige Größe durch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), den Pfälzischen Erbfolgekrieg mit der Stadtzerstörung 1689 und die Napoleonischen Kriege verloren. Um 1806 lebten in Worms nur ca. 5.000 Menschen.

Die Aufhebung der Zunftgesetze zu Beginn des 19. Jahrhunderts bewirkte die Neuordnung der seit dem Mittelalter bestehenden kleinen Gerbereien am Gerberbach im Zentrum der Stadt. Die daraus entstehende Lederindustrie wurde innerhalb kürzester Zeit zum Motor des „Neuen Worms“. Um 1900 besaß Worms bereits 45.000 Einwohner.

In den drei Gerbereien Cornelius Heyl AG (gegründet 1834), Doerr & Reinhart (gegründet 1840) und Heyl‘sche Lederwerke Liebenau (ab 1923 selbstständiges Werk, vorher Zweigwerk der Cornelius Heyl AG) waren bis zu 9000 Mitarbeiter beschäftigt. Es gab kaum eine Wormser Familie, die nicht mit der Lederindustrie verbunden war. Das hochwertige Leder wurde weltweit vertrieben, ungefähr 70% gingen in den Export.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Bedeutung der Lederindustrie rapide. Als letztes Werk schlossen die Heyl‘schen Lederwerke Liebenau im Jahr 1974.

Der Altertumsverein Worms sieht es als seine Aufgabe an, die Erinnerung an die weltweit bedeutende Wormser Lederindustrie zu pflegen und die Leistung ihrer Mitarbeiter und Unternehmer für Worms anzuerkennen und zu würdigen.

Dafür setzt sich insbesondere die heutige Arbeitsgemeinschaft Leder im Altertumsverein ein, die aus dem am 27. Juni 2001 gegründeten Verein „Wormser Lederindustrie – Verein für Wirtschafts- und Sozialgeschichte“ hervorging. In den 12 Jahren seines Bestehens organisierte dieser sog. Lederverein Ausstellungen, Exkursionen, Führungen, Vorträge, Filmvorführungen und gab historische Kalender heraus.

Der Lederverein finanzierte mit Hilfe von Sponsoren die Restaurierung und Aufstellung einer vom Wormser Künstler Carl Stock geschaffenen Galvanobronze eines Drachen, des Wappentiers von Doerr & Reinhart, als Denkmal im Stadtgraben beim Andreasstift.

2017 löste sich der Lederverein auf und wurde in den Altertumsverein als Arbeitsgemeinschaft Leder integriert. Im Augenblick setzt sich der Altertumsverein insbesondere für die Errichtung eines Gerberbrunnens im geplanten Wohnquartier Gerbergasse (ehemaliges Nibelungen-Center) ein.